Die „Sechs für Detmold“ stellen sich vor

Von Sven Koch
Das erste Aufeinandertreffen der möglichen nächsten Detmolder Bürgermeister: Die sechs Kandidaten haben sich gestern in der Stadthalle in einer Podiumsdiskussion vorgestellt. Im Publikum waren viele Erstwähler.

Detmold. Veranstalter war der Verein „Perspektive“, der vor allem die berufliche Qualifizierung von Jugendlichen zum Zweck hat. Geschäftsführer Frank Möllers sagte: „Wir dachten, das kann doch nicht sein, dass man die Kandidaten nicht in einer Podiumsdiskussion kennenlernen kann.“ Also wurde Gelegenheit geschaffen – am späten Nachmittag und daher vor nicht ganz gefüllten Rängen. Dem Gastgeber entsprechend, wendete sich die Podiumsdiskussion in erster Linie an Erstwähler und Heranwachsende.

Zwei davon waren Sandra Barner und Margarita Anton, die in der Stadthalle gleich in der ersten Reihe saßen. „Ich möchte erfahren, wofür die sich stark machen wollen“, meinte Sandra Barner. Margarita Anton interessierte: „Ich finde es gut, die Kandidaten mal persönlich zu erleben und auch Fragen stellen zu können.“ Die stellte dann vor allem Markus Knoblich von Radio Lippe an Rainer Heller (SPD), Marc Fasse (CDU), Thomas Trappmann (FDP), Rüdiger Krentz (FW), Walter Neuling (Grüne) und Jens Köhler (Aufbruch C). Knoblich fragte zu den größeren Themen – zum Nordring, zum Ausbau des Friedrichstaler Kanals, zur Entwicklung am Hornschen Tor, über die Schaffung neuer Parkplätze und zum Thema Freizeit. Klar wurde in den Wortbeiträgen: Sehr weit liegt man in den meisten Positionen nicht auseinander, in einigen wenigen schon. Der Verkehr in Detmold, so Rainer Heller, explodiere deshalb, weil in den letzten Jahren sehr viele neue Jobs entstanden seien – 40 000 gebe es nun gegenüber 73 000 Einwohnern. Das belaste die Straßen und auch den Parkraum, man müsse aber mit dem arbeiten, was man habe. Das traf kaum auf Widerspruch, und fast alle waren sich einig: Die Hauptverkehrsader Nordring sollte im Bestand ausgebaut werden.

Kritischer war die Sichtweise auf die „Wassermeile“ – hier rechtfertigten Heller, Trappmann und Krentz die technische Notwendigkeit des Kanal- Ausbaus. Fasse hielt das Ergebnis für sehr gelungen – auch, dass die Detmolder Hausfassaden nun deutlich zu sehen seien. Jens Köhler hingegen meinte, den Ausbau habe sich Detmold finanziell nicht leisten können und sollen. Neuling hielt die technische Notwendigkeit für ein vorgeschobenes Argument. Hier sagte Neuling mit Blick auf die Zukunft: „Wir brauchen ein neues Miteinander und neue Formen der Bürgerbeteiligung.“ Auch in Fragen der Freizeitgestaltung für Jugendliche: „Ich bin 61 und weiß nicht, was Jugendliche wirklich wollen – wir müssen zusammen reden.“ Ein solcher Dialog ist auch Krentz wichtig – sowie die Schaffung der Stelle eines Innenstadtmanangers. Marc Fasse betonte, dass in Sachen Wirtschaft ein stärkeres Engagement der Stadt nötig sei – etwa, um Investoren für das Hornsche Tor zu gewinnen. Dazu betonte Thomas Trappmann: „Je attraktiver und offener Detmold ist, desto mehr sprechen wir Investoren an.“ Das gelte auch für die jungen Leute im Publikum: „Wir müssen ein Umfeld schaffen, damit Sie nach Ihrer Ausbildung gerne wieder zurückkommen.“

Margarita Anton war mit der Veranstaltung und den Kandidaten hinterher jedenfalls zufrieden – auch, wenn viel „Fachchinesisch“ dabei war. Anderen gefiel es ebenso – die Kandidaten waren „näher“, wie hinterher etwa die Anrede „Hallo, Herr Rainer“ zeigte…

erschienen am: 
07.05.2014
Quelle: 
Lippische Landeszeitung
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